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Richard III

von William Shakespeare



Ü: Thomas Brasch. R/B: Ricarda Beilharz. D: Eva-Maria Voigtländer. M: Roman Beilharz. K: Heike Neugebauer. Mit: Frank Auerbach, Christian Bergmann, Ulrike Knospe, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Theresa Rose, Kathrin Steinweg.

Richard III – seit Generationen das Inbild des abgrundtief Bösen, der homo homini lupus, der Schlächter.

Richard Gloucester - der Missgestaltete, der radikal Einsame in einer Gesellschaft, deren Mitglieder nicht weniger Schuld als er auf sich geladen haben, aber die Unschuldigen spielen.

Richard, letzter König des Hauses York, ein Spieler- Virtuose, dessen ideenreiches Machtspiel mit höchstem Einsatz in die Selbst-Vernichtung führt.

Auf seinem Weg an die Spitze eines verkommenen Staatsgebildes ist Richard entschlossen und ohne Skrupel. Er tötet seine engsten Verwandten, schreckt auch vor Morden an Kindern nicht zurück, wirbt um die Witwe eines von ihm ermordeten Prinzen, lässt seine Komplizen nach getaner Arbeit köpfen.

Die Frauen in seinem Reich, angezogen von seiner Verführungskraft, abgestoßen von seiner Bösartigkeit, benennen seine Verbrechen, verfluchen ihn - und vermögen dennoch nicht, ihn aufzuhalten.

Als alle Gegner geflohen oder geschlagen sind, England zu einem öden, verlorenen Land zu werden droht, formiert sich Widerstand in Frankreich. Ein neuer Held, Richmond, beansprucht den Thron und verspricht dem Land den Frieden. In der entscheidenden Schlacht vernichtet Richard sein letztes Opfer, sich selbst.

Weit müssen wir nicht schauen, um die Richards unserer Zeit zu entdecken, die Gesellschaften und politischen Systeme, in denen Vertrauen tödlich sein kann, Verrat nützlich und ein Menschenleben wertlos ist; in denen Grausamkeit erwünscht und ein Gewissen störend ist.

Ricarda Beilharz inszeniert die Figur Richard III als exemplarische Fallstudie eines Mannes, den ein in sich korruptes System hervorgebracht hat. Die Gefährlichkeit seines Charakters ist keine singuläre, degenerierte Erscheinung, sondern ist zugleich Spiegel und Kulminationspunkt jener Gesellschaft, aus deren Mitte er stammt. Die Figuren um ihn herum, die er mordet und manipuliert, tragen alle das Potential und jene Charakterzüge in sich, die Richard III zeigt, jedoch ist er allen anderen überlegen: er folgt den Gesetzen seiner „Freiheit“. Einer Freiheit, die den „Mitspielern“ die Sklaverei bringt.

 



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29.12.2014 19:30 Uhr - bremer shakespeare company


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