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Joseph Joachim

„Im Dienste der echten, wahren Kunst“
Joseph Joachim. Königlicher Konzertdirektor
in Hannover (1852-1866). Eine Spurensuche
Sonderausstellung 15. September bis 25. November 2012

Joseph Joachim wird am 28. Juni 1831 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Kittsee bei Preßburg geboren. 1833 zieht die Familie nach Budapest, und bald erhält das Kind seinen ersten Geigenunterricht – von dem polnischen Konzertmeister der Königlichen Oper zu Pest, Stanislaw Serwaczynski. Sein Talent fällt rasch auf, der Lebensweg als Musiker war vorgezeichnet.
Als Siebenjähriger wird Joachim zur weiteren Ausbildung nach Wien gebracht, wo er bei Joseph Böhm studiert. Er musiziert im ›Kinderquartett‹ von Joseph Hellmesberger, besucht das Wiener Konservatorium und schließt mit zwölf Jahren seine Ausbildung ab.
Die anschließenden Jahre in Leipzig, wo Felix Mendelssohn Bartholdy sein Mentor und Vorbild wird, prägen Joachims künstlerische Identität. Mendelssohn sorgt dafür, daß sein Schützling zusätzlich zur Förderung als Violinist eine breite Allgemeinbildung sowie Kompositionsunterricht erhält. Er nimmt Joachim mit nach London, wo dieser unter großem Beifall Beethovens Violinkonzert zum ersten Mal vorträgt. Mendelssohns umfassender Kunst- und Künstlerbegriff, den Joachim auch intensiv erlebt, gibt dem jungen Geiger und Komponisten eine feste Orientierung in seiner musikalischen und persönlichen Entwicklung.
Joseph Joachim ist 16 Jahre alt, als Mendelssohn plötzlich stirbt. Der Verlust des großen Vorbilds trifft ihn hart, und es folgt eine durchaus krisenhafte Zeit. 1849 geht Joachim nach Weimar, wo er Liszt und Wagner kennenlernt, Konzertmeister wird und auch als Komponist tätig ist. Hier festigt sich weiter sein Entschluss, sich –bei aller Virtuosität –dem Musikideal Mendelssohns zu widmen.
Im Herbst 1852 trifft Joseph Joachim die Entscheidung, nach Hannover zu gehen. 15 Jahre lang ist er dort zu Hause; er prägt das Musikleben der Stadt als Konzertmeister (später Konzertdirektor) sowie Solist und Vertrauter des Königs Georg V., der übrigens auch Pate bei seiner Taufe steht. Konzertreisen unternimmt Joachim in ganz Europa; Zeit zum Komponieren findet er auch weiterhin. Mit den Jahren in Hannover verbunden sind seine engen Freundschaften mit Johannes Brahms und Clara Schumann (Robert Schumann stirbt bereits 1856), seine Heirat mit der Sängerin Amalie Schneeweiß und eine musikalische Entwicklung, die ihn in den Worten eines zeitgenössischen Kritikers »hoch über das jetzige Virtuosentum … im Dienste der echten, wahren Kunst« erhebt. Er wagt den öffentlichen Vortrag von Johann Sebastian Bachs Solowerken für Violine; er spielt nicht nur eigene Kompositionen, sondern vor allem die der zeitgenössischen Komponisten (mit denen er größtenteils auch befreundet ist); er verkörperte den »Musiker vor allen Dingen«, den Interpreten im Dienste der Musik.
1866 wird Hannover preußisch, Joachim verläßt das Orchester. Zwei Jahre später nimmt er einen Ruf nach Berlin als Gründungsdirektor der Königlichen akademischen Hochschule für Musik an. Dort rief er ein Orchester und das legendäre Joachim-Quartett ins Leben; er wirkt als konzertierender Musiker und Pädagoge fast 40 Jahre lang, bis zu seinem Tod am 15. August 1907. Die Hochschule ehrt den Verstorbenen mit einer großen Trauerfeier (eine Porträtbüste von Joachim wurde eigens dafür von Otto Lessing fertiggestellt); im Juni 1913 wird ein Joachim-Denkmal im Foyer des Konzertsaals eingeweiht. 1936 bzw. 1938 werden Büste und Denkmal von den Nationalsozialisten aus der Hochschule entfernt, ein –vergeblicher – Versuch, den großen Künstler, Pädagogen und Komponisten in Vergessenheit geraten zu lassen.


Die Stiftung Niedersachsen ehrt den Künstler seit 1991 alle drei Jahre auf besondere Weise mit der Durchführung des ›Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerbs, Hannover‹. Informationen und das Programm des diesjährigen „Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerb“ finden Sie im Internet: www.jjv-hannover.de.

Begleitend zum diesjährigen Violinwettbewerb (29. September bis 13. Oktober 2012) erscheint in unserer Schriftenreihe „Prinzenstraße. Hannoversche Hefte zur Theatergeschichte“ eine neue Publikation:
„Im Dienste der echten, wahren Kunst“. Joseph Joachim. Königlicher Konzertdirektor in Hannover (1852-1866), verfasst von Brigitta Weber.
Das Heft kann über der Museumskasse erworben oder über den Buchhandel bestellt werden (Preis: 6,50 Euro, ISBN 978-3-931266-15-8).

Wir danken der Stiftung Niedersachsen ganz herzlich für die Förderung dieser Publikation und der Ausstellung!

Kontakt

Theatermuseum
Prinzenstr. 9
30159 Hannover


carsten.niemann@staatstheater-hannover.de
http://www.theatermuseum-hannover.de


Telefon: (0511) 99 99 20 40
Tickets: (0511) 99 99 11 11
Fax: (0511) 99 99 29 40
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